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DIE GEHEIMNISSE DER LAGUNE

 

FERNSEHDOKUMENTATION
DEUTSCH / INTERNATIONAL
Digital BetaCam PAL, Stereo
Seitenverhältnis 16:9
Länge: 52 Minuten
Buch: Wolfgang Peschl / Christian Riehs

Regie: Christian Riehs/ Wolfgang Peschl
Produktion: laufbildgesellschaft Wien

Coproduktionspartner:


ORF
3sat
LAUFBILDGESELLSCHAFT

internationaler Verkauf:

ÖSTERREICHISCHER RUNDFUNK ORF Program Sales

   

Regata Storico am Canal Grande

 

Selbst vielfachen Venedigbesuchern bietet die Lagunenstadt immer noch zahlreiche versteckte Seiten, die zu entdecken sich lohnt.  Die historische Bedeutung mancher Orte ist in keinem Reiseführer zu lesen. Innovationen, die seit dem Mittelalter von Venedig aus die Welt eroberten, nehmen wir heute als gegeben hin. Ihren Ursprung kennen wir jedoch kaum. Der Dokumentarfilm von Christian Riehs & Wolfgang Peschl präsentiert die wohl bekannteste Stadt der Welt aus ungewöhnlicher Sicht: ein Venedig, dessen ebenso spannende wie amüsante Geheimnisse mit Sicherheit den meisten bisher verborgen geblieben sind.
 

GIUSEPPE GULLINO
Universià di Padova
Historiker, Spezialist für die Geschichte der Seerepublik

 

Im fünfzehnten Jahrhundert erreichte die Republik von San Marco die Höhe ihrer Macht und ihres Reichtums. Venedig verfügte über die höchsten Staatseinkünfte der Welt. In den Magazinen am Rialto stapelte sich das Handelsgut. Den Transport besorgte eine Handelsflotte von 3300 Schiffen mit dreißigtausend Seeleuten. Ihren Schutz garantierte eine Begleitflotte von fünfundvierzig großen Kriegsgaleeren mit einer Be­satzung von elftausend Mann. Annähernd 200.000 Menschen wohnten damals in Venedig, der größten Stadt Italiens und der viertgrößten Europas. Heute sind es nur noch knapp 70.000!

 

GUGLIELMO ZANELLI
Marina Militare di Venezia
Militärhistoriker

 

Der Transport von Kapital in Form von Edelmetall stellte im Seehandel lange Zeit ein Gewichts- und Sicherheitsproblem dar. Bis sich der Wechsel, die Urform von Papiergeld, schließlich als Zahlungsmittel durchsetzte. Unser heutiger Begriff „Bank“ geht auf die venezianische „banca“ zurück. Die Geldwechsler am Rialto stellten kleine Klapptische auf die Strasse. Es waren ihre Geschäftspulte, „bance“ genannt. Später wurden daraus kleine Läden, die auf Geldgeschäfte spezialisiert waren und deren Spuren man heute noch in der Gegend der Rialto-Brücke finden kann.

Venezianisches Schiffahrtsmuseum, Museo Navale, innen, die Großschiffe

 

Die Handelsgesellschaften verzichteten zwar oft auf die Versicherung der verschifften Ladung, aber in den Geschäftsbüchern wurde das Konto des „Messer Domeneddio“ geführt. Gott war mit 5% an allen Seetransaktionen beteiligt, und am Jahresende wurde die eventuell entstandene Gutschrift den Venezianischen Kirchenvertretern ausbezahlt – einer der Hauptgründe für die immense Anzahl von Kirchen in Venedig: Sakralbauten als Form von „Gewinnausschüttung“ an eine „göttliche Versicherung“.

Das Arsenal von Venedig war die erste Fabrik der Welt. Erstmals urkundlich erwähnt um das Jahr 1200, wahrscheinlich aber 100 Jahre älter, stellte das Arsenal bereits im Mittelalter einen Vorläufer der modernen Massenproduktion dar: Auf eigens konstruierten “Montagestraßen” wurden bis zu 50 Galeeren pro Monat gebaut und von Stapel gelassen.

 

GIOVANNI CANIATO
Archivio di Stato
Leiter des Staatsarchives von Venedig

 

Das Sozialsystem war höher entwickelt als im übrigen Europa. Spezielle Versicherungen und Vereinigungen boten den mittelalterlichen Arbeitern und deren Familien ein enges soziales Netz, wie es sich im Rest der Welt erst im Lauf des 20. Jahrhunderts durchzusetzen begann. Witwenpension und Krankenversorgung waren hier schon im Spätmittelalter Standard!  Auch die Pest reiste an Bord einer venezianischen Handelsgaleere nach Europa. In Venedig hatte man solches schon lange vorher befürchtet und eine eigene Quarantäneinsel eingerichtet. Auf Lazaretto Nuovo mussten alle Schiffe und Besatzungen wochenlang ausharren, bevor sie in Venedig einlaufen durften. Die Pest wartete nicht so lange. Sie wurde durch Ratten übertragen, und die schwammen einfach das letzte Stück der Reise.
Die von der Pest befallenen Kranken wurden auf die Quarantäneinsel Lazaretto Vecchio gebracht. Sie hieß ursprünglich „Nazaretto“. Später wurde aus „Nazaretto“ „Lazaretto“ und damit der Begriff „Lazarett“.

GERALMO FAZZINI, Archäologe
leitet seit Jahren die Ausgrabungen auf Lazaretto Nuovo

 

Das Venedig des 18.Jahrhunderts war die Welthauptstadt der lockeren Sitten, berauscht von Luxus und Ausschweifungen, Maskenbällen, Festen, Musik - und Glücksspiel. Das heutige „Casino“ hat nicht zufällig seinen Ursprung in Venedig. „Casini“ nannte man die Appartements, die Patrizier in der Nähe des Markusplatzes mieteten. Bald wurde das Casino zu einem Ort, an dem man allerlei geselligen, auch amourösen Vergnügungen nachging – vor allem zur Zeit des Karnevals. Diese offiziell genehmigte Phase der Ausschweifung dauerte ein halbes Jahr, vom Oktober bis zur Fasten­zeit. Während dieser heißen Phase war hinter der Maske alles erlaubt. Und so mancher soll seine Maske während dieser sechs Monate höchstens zum Schlafen abgelegt haben...

die Gestalter, Christian Riehs und Wolfgang Peschl
Rialto


Produktion: laufbildgesellschaft Wien

 
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